Schulische Leistung
Zur Jugendfreiheit kommt nur, wer aus eigenem Willen ernsthaft ein Abitur erreichen will. Unsere Schülerinnen wissen: jeder grosse Traum im Leben braucht auch das. Als Schauspielerin wird sich auf Dauer nicht durchsetzen, wer mit der Sprache auf Kriegsfuss steht und von Literatur nichts wissen will. Und Pilotin oder Kapitänin wird niemand, der meint, Physik und Chemie gingen ihn nichts an. Die Form, wie man zum Ziel kommen will, ist variierbar: man kann täglich zur Schule gehen oder auch Inhalte am Küchentisch nachholen. Aber wer das Lernen vermeiden will, indem er „Safe Spaces“ sucht, in Psychiatrien oder Kuren will, der will nicht wirklich etwas im Berufsleben erreichen und findet anderswo eher den richtigen Platz.
Freiheit
Zum Ausgleich für das strikte Leistungsziel gibt es Freiheiten. Wir stehen nicht für einen immer beschützenderen Erziehungsstil, der noch vor wenigen Jahren als Helikopter-Erziehung verschrien war, aber sich mehr und mehr verbreitet. Überbeschützung bedeutet in Konsequenz auch Unselbständigmachen. Wer vor eigenen Erfahrungen beschützt wird – auch den unangenehmen – verpasst die Chance, an ihnen zu Selbstvertrauen und Widerstandsfähigkeit zu reifen. Es ist solches konsequente Abschirmen von Selbstgewinnen und Selbstscheitern, das vor Selbstlernen bewahrt und junge Menschen immer abhängiger von vermeintlichen „Safe Spaces“ wie Psychiatrien und niemals endenden Therapien macht.
Freiheit ist der immaterielle Anteil der Belohnungen, die es für Leistung immer auch geben muss, damit sie ohne Widerwillen aus sich selbst heraus erbracht wird.
Privilegien
Wir gewähren materielle Privilegien, wie sie für Kinder der Unter-, aber inzwischen auch Mittelschicht, eher selten zugänglich sind. Das eigene Auto und teure Hobbys wie Schauspielschule, Fliegen oder Segeln, gehören wie die immateriellen Privilegien ebenfalls zum Belohnungskonzept. In einer Zeit, in der Politiker und Medien mehr Leistung von der Arbeitnehmerschaft bei immer sinkenden Löhnen und sozialen Leistungen fordern, wird in zunehmendem Ausmass bedauerlicherweise vergessen, dass Menschen Leistungen für andere nur dann erbringen, wenn sie dafür auch Belohnungen erhalten, die sie als angemessen empfinden. Das Aufwachsen in einer Atmosphäre zu geringer Belohnung für zuviel abgeforderte Leistung erzeugt das gesellschaftliche Streben nach „Safe Spaces“, „Work-Life-Balance“ und derlei mehr verschleiernden Konzepten allgemeinen Leistungswiderwillens, der für den gesellschaftlichen Wohlstand verheerend ist.
Mädchenförderung
Wir sehen es als unsere Verpflichtung, den Schülerinnen Zukunftschancen zu eröffnen und zu zeigen. Das heisst in erster Linie: Berufe, die auch in schwierigen Zeiten wirtschaftlich-gesellschaftlicher Umbrüche wie KI und Entindustrialisierung das Potential für ein gutes Einkommen und eine Resilienz gegen Rationalisierung eröffnen. Was in direktem Zusammenhang mit Freude an Leistung steht. Solche Berufe sind in aller Regel klassische Männerberufe. Die adoleszente Mädchen in der entscheidenden Phase der Berufsinteressenfindung selten in ihre Erwägungen einbeziehen. Die Hobbys, die wir stark fördern, stehen in Zusammenhang mit solchen Berufen, weil sie Vorkenntnisse vermitteln oder sogar – wie im Falle des Fliegens – eine zwingend vorausgesetzte Vorqualifikation sind. Und natürlich vor allem: Lust darauf machen.
Diese Orientierungsarbeit ist eine Chance, die aus der Mädchengruppe heraus entstehen kann. Denn Schulforschung zu Fächern wie Chemie, Physik, Technik und Werken zeigt, dass Mädchen sich vor allem dann gegen „männliche“ Interessen und Berufe entscheiden, wenn sie sie gemeinsam mit Jungen in der Gruppe kennen lernen und den (aus Missverständnissen herrührenden) Eindruck gewinnen, Jungs seien darin besser als sie. In einer Lerngruppe, die nur aus Mädchen besteht, entfallen diese Eindrücke und Prägungen und Mädchen können genauso in Leidenschaft für solche Tätigkeiten entbrennen wie in den gemischten Gruppen die Jungen.